«Vereinslokal Utopia»
von Goldproduktionen

Eine Serie politischer Unwetter hat die Welt erschüttert: Das gescheiterte Klimaabkommen von Paris, Trumps, Bolsonaros, Erdogans Präsidschaften, der Brexit, unzählige Menschen auf der Welt sind auf der Flucht und Europa macht die Grenzen zu. Die Zukunft ist kein Versprechen mehr, sie ist bedroht und bedrohlich.

Goldproduktionen nimmt diese Bedrohung als Anstoss und will mit dem Projekt Vereinslokal Utopia Vertrauen in das Veränderungsvermögen von Gemeinschaften und in eine gemeinsam gestaltbare Zukunft schaffen. Wir gehen davon aus, dass sich Aufgaben wie die Klimaerwärmung, der Umgang mit geflüchteten Menschen, die Ressourcenknappheit, das weltweit drastische Ausmass des Artensterbens oder die aufklappende Schere zwischen Arm und Reich nicht von Einzelnen, sondern nur von verantwortungsbewussten Gemeinschaften lösen lassen.

Und so stellt Vereinslokal Utopia die Frage: «Wie soll unser Lebensraum in 100 Jahren aussehen?»

Um die Frage zu beantworten lädt Goldproduktionen unterschiedlichste Menschen einer Stadt (Vereine) in ihr mobiles Vereinslokal ein und schafft ein Setting (Vereinsabende), in dem Gespräche und Diskussionen zwischen den Teilnehmer*innen auf Augenhöhe stattfinden können. Es braucht kein Vorwissen, keine guten Sprachkenntnisse, keine besondere Schulbildung. Im Wissen um das Recht auf Differenz wird der eigene Lebensraum gedanklich angeeignet und das gemeinsame Imaginieren einer wünschenswerten Zukunft möglich. Aus den an den Vereinsabenden entstandenen Visionen entwickelt das Künstler*innenkollektiv Goldproduktionen eine begehbare Installation. Diese wächst und verändert sich nach jedem Vereinsabend und dient als Denk- und Begegnungsraum für die Besucher*innen, Teilnehmer*innen und Initiant*innen.

Der Vereinsabend

Goldproduktionen möchte mit der Bevölkerung eines Ortes gemeinsam über die Zukunft nachdenken. Als Hoffnungsträger setzen wir bei existierenden Gemeinschaften an, die sich ohne kommerzielle Interessen für ihre Anliegen einsetzen: bei den Vereinen. Im Vorfeld der Vereinsabende treffen GGoldproduktionen jeden Verein einzeln zu einem Vorgespräch, dabei wird das Thema des Abends gemeinsam eingegrenzt.

Der Vereinsabend spielt sich wiefolgt ab:

17:30 Beim Apéro im mobilen Vereinslokal von Goldproduktionen begegnen sich die Mitglieder der beiden Vereine zum ersten Mal. Sie stellen ihren Verein mit einem Gastgeschenk vor, das im Schrank im Hauptraum ausgestellt wird. Links: Seesportfischerverein Zürich und Zollikon und Dock18, Zürich 2016. Rechts: Stadtorchester Luzern und Mannebüro, Luzern 2018.
18:15 Zu jedem Abend lädt Goldproduktionen eine*n Expert*in für einen kurzen Input und eine erste Diskussion ein. Links: Naturpädagogin Monika Güttinger zum Thema Zukunft&Ressourcen, Aarau 2015. Rechts: SRF-Redaktorin und Religionswissenschaftlerin Léa Burger zum Thema Zukunft&Raum, Luzern, 2018.
18:45 Die erste Spielrunde beginnt. Die Vereinsmitglieder diskutieren in zwei durchmischten Gruppen in zwei Séparées eine von ihnen ausgewählte Frage. Im Gespräch werden konkrete Ideen gesammelt, welche als Ausgangslage für die zweite Spielrunde dienen. Links: Mitglieder von Familienhilfe Balzers und dem Imkerverein diskutieren am Abend zum Thema Zukunft&Ressourcen die Frage: «Wie sähe ein Liechtenstein aus in dem gemeinschaftlicher gelebt wird?», Balzers 2014. Rechts: Mitglieder von Kiwanis und FleXibles diskutieren am Abend zum Thema Zukunft&Geld die Frage: «Was würde eine gerechtere Verteilung des Geldes bewirken? Und was müsste sich dafür verändern?», Zürich 2016.
19:15 Jeden Abend kocht ein*e lokale*r Koch*in zum Thema des Abends. Links: Moritz Stiefel und sein Team richten das Essen auf der Bar des Vereinslokals an und erzählen von der Idee hinter dem Menu, Luzern 2018. Rechts: John Stähli kocht mit weggeworfenen Lebensmitteln ein Abendessen zum Thema Zukunft & Ressourcen für die Familienhilfe Balzers und den Imkerverein, Balzers, 2014.
20:00 Während der ersten Spielrunde der Vereine haben der*die Performer*in und der*die Expert*in, ausgehend vom Expert*inneninput, eine Vision ausgearbeitet. Der*die Performer*in gibt nach dem Abendessen einen Einblick in diese Welt. Links: Der Schauspieler Patric Gehrig hat nach dem Input der Religionswissenschaftlerin Léa Burger ein Zukunftsmodell für Luzern gebaut, das auf Burgers Input über Lebfevbres Raumtheorien aufbaut, Luzern 2018. Rechts: Schauspielerin Kathrin Veith präsentiert das Modell, das sie mit dem Soziologen Ueli Mäder zum Thema Zukunft & Macht gebaut hat. Es ist der Abend mit dem FC Aarau und dem Netzwerkasyl, Aarau 2015.
20:15 In der zweiten Spielrunde bauen die Vereinsmitglieder mit farbigen Spielklötzen ein abstraktes Modell ihres Lebensraumes in 100 Jahren, ausgehend von der Diskussion der ersten Spielrunde. Links: Mitglieder des FC Aarau und des Netzwerkasyl zum Thema Zukunft&Macht, Aarau 2015. Rechts: Mitglieder der Familienhilfe Balzers und des Imkervereins zum Thema Zukunft&Ressourcen, Balzers 2014.
21:30 Nach dem Dessert besuchen sich die beiden Gruppen gegenseitig in den Separées und stellen einander ihre Zukunftsmodelle vor. Links: Mannebüro und Stadtorchester Luzern zum Thema Zukunft&Raum, Luzern 2018. Rechts: Verein Neuraum und der Ornithologische Verein Liechtenstein Unterland zum Thema Zukunft & Raum, Balzers 2014.

Die Installation

Nach jedem Vereinsabend wächst die Installation, welche den jeweiligen Abend als Ausgangspunkt nimmt, diesen dokumentiert und künstlerisch inszeniert.

Aussenansicht des Vereinslokals, wie es auch die Vereine antreffen.
Esstisch und Separées: als wäre hier soeben gegessen und gespielt worden.
Hinter dem Vereinslokal (rechts) die begehbare Installation (links).
Der Schrank im Esszimmer des Vereinslokals ist der Eingang in die Installation.
Das Team von Goldproduktionen bespricht den letzten Vereinsabend und arbeitet an der Installation weiter, während die Besucher*innen das bereits Entstandene erleben können.
Die Installation wächst, ein Netz entsteht.
Die Zukunftsmodelle der Vereinsmitglieder: Die Geschichten, welche die Spielklötze erzählen, sind am Rand der Spielbretter notiert.
Die Hörstationen mit O-Tonaufnahmen der Diskussionen und Gespräche der Vereinsabende.
Beispiele szenografischer Weiterentwicklung einzelner Ideen aus den Vereinsabenden.
Beispiele szenografischer Weiterentwicklung einzelner Ideen aus den Vereinsabenden.
Einzelne Themen haben zu Rauminstallationen inspiriert.
Links: Eine Besucher*in schaut durch den Eingang zum Raum, in welchem ein Gespräch zwischen Vater und Sohn in 100 Jahren zu hören ist, Vaduz 2014. Rechts: Auf dem Tisch der Aufklärungsstelle Atomare Altlasten Aargau (AAAA) sind unveröffentlichte Unterlagen zu einem in hundert Jahren beschlossenen Endlager im Bözberg zu finden, Aarau 2015.
Visualisierungen & Collagen.
Links: Ein 20 meter langes Wandbild wächst und verändert sich nach jedem Vereinsabend, Luzern 2018. Rechts: Zu jedem Abend entsteht eine Collage im Format A0, Zürich 2016.
Vereine organisieren Veranstaltungen in der Installation.
Links: Der Pauluschor gibt ein Konzert, Zürich 2016. Rechts: Der Chor C21 veranstaltet ein offenens Singen, Aarau 2015.
Überdimensionierte Spielklötze laden zum spielerischen, weiteren Visionieren ein.

Credits

Vereinslokal Utopia, Liechtenstein, 2014
Koproduktion mit dem TAK Theater Liechtenstein und dem Kunstmuseum Liechtenstein

Die beteiligten Vereine:
Caritas Liechtenstein und Kiwanis zu Zukunft&Geld Familienhilfe Balzers und Imkerverein zu Zukunft&Ressourcen
FC Vaduz und Interkulturelle Bildung zu Zukunft&Macht
Jugend Energy und Historischer Verein Liechtenstein zu Zukunft&Zeit
Ornithologischer Verein Liechtenstein Unterland und Verein Neuraum zu Zukunft&Raum
Schweizer Verein Liechtenstein und Türkischer Frauenverein zu Zukunft&Glück

Inputgeber*innen:
Fred Frohhofer, Michaela Hogenboom, Simon Littwan, Sasha Schlegel, Jonas Walther
Konzept und Durchführung:
Goldproduktionen, Christin Glauser und Seraina Dür
Szenografie:
Chasper Bertschinger
Szenografieassistenzen:
Michelle Schuhmacher, Bruno Altermatt, Silvan Hillmann
Bau Spielelemente:
Adi Gloor, Jodok Gloor, ida.koj
Video:
Heta Multanen
Tonmontage:
Ueli Kappeler
Grafik:
Andreas Bertschi
Sprecher Tonaufnahmen:
Gerrit Frers, Ingo Ospelt, Jonas Rüegg
Explosionszeichnungen:
Siegfried Fuchs
Beratung Installation:
Barbara Ellenberger, Michael Hiltbrunner
Dokumentation Vereinsabende:
Daniela Wettstein
Schauspielerin Vereinsabende:
Jutta Hoop
Koch Vereinsabende:
John Stähli
Administration:
Lukas Piccolin

Vereinslokal Utopia, Aarau, 2015
Koproduktion mit dem Theater Tuchlaube

Die beteiligten Vereine:
Bird Life Aarau und Elternverein Aarau EVA zu Zukunft&Ressourcen
Caritas Aarau und KTV Aarau zu Zukunft&Geld
Dinner4more und Kammerchor C21 zu Zukunft&Glück
Eisenbahn Modellbau Club Aarau und Spitex Aarau zu Zukunft&Zeit
FC Aarau und Netzwerk Asyl Aarau zu Zukunft&Macht
FORÄRA Forum der Älteren Aarau und Milchbüechli zu Zukunft&Raum

Inputgeber*innen:
Monika Güttinger, Ueli Mäder, Henrik Nordborg, Eva Schwegler, Jonas Walther, Harry Wolf
Konzept und Durchführung:
Christin Glauser und Seraina Dür
Szenographie:
Chasper Bertschinger
Assistenzen Installation:
Silvan Hillmann und Michelle Schuhmacher
Bau Spielelemente:
Jodok Gloor, Adi Gloor, ida.koj
Video:
Heta Multanen
Tonmontage:
Ueli Kappeler
Technik:
Robert Meyer
Grafik:
Andreas Bertschi
Schauspielerin Vereinsabende:
Kathrin Veith
Köchin Vereinsabende:
Rebecca Moser
Administration:
Lukas Piccolin
Vermittlungsprojekt Quersicht:
Janine Hanggartner, Andreas Bürgisser

Vereinslokal Utopia Zürich, 2016
Koproduktion mit dem Fabriktheater Rote Fabrik und der Shedhalle

Die beteiligten Vereine:
augenauf und Verein Zürcher Bienenfreunde zu Zukunft&Raum
Bildung für Alle und FC Zürich zu Zukunft&Macht
du-bist-du und Paulus-Chor Zürich zu Zukunft&Glück
Dock18 und Seesportfischerverein Zürich und Zollikon zu Zukunft&Zeit
FleXibles und Rotary Club Zürich City zu Zukunft und Geld

Inputgeber*innen:
Hayat Erdogan, Ueli Mäder, Philppe Messner, Irmi Seidl, Harry Wolf
Konzept und Durchführung:
Christin Glauser und Seraina Dür
Szenographie:
Chasper Bertschinger
Bilder, Grafik:
Andreas Bertschi
Assistenz Installation:
Annatina Huwiler
Tonmontage:
Ueli Kappeler
Schauspielerin Vereinsabende:
Anna Frey
Koch Vereinsabende:
Maurice Maggi
Administration:
Lukas Piccolin
Bau Spielelemente:
Jodok Gloor, Adi Gloor, ida.koj

Vereinslokal Utopia Luzern, 2018
Koproduktion mit dem Kleintheater Luzern und dem Kunstmuseum Luzern

Die beteiligten Vereine:
FC Luzern und HelloWelcome zu Zukunft&Macht
Kopfkino und Maskenliebhaber-Gesellschaft der Stadt Luzern zu Zukunft&Glück
Luzerner Tauschnetz und Rosalische Gesellschaft Luzern zu Zukunft&Geld
Mannebüro Luzern und Stadtorchester Luzern zu Zukunft&Raum

Inputgeber*innen:
Léa Burger, Martin Hartmann, Guido Rudolphi, Hans Ruh
Konzept, Durchführung:
Seraina Dür und Christin Glauser
Szenographie:
Chasper Bertschinger
Wandbild, Grafik:
Andreas Bertschi
Assistenz Installation:
Elke Mulders
Schauspieler Vereinsabende:
Patric Gehrig
Koch Vereinsabende:
Moritz Stiefel
Tonmontage:
Ueli Kappeler
Administration:
Lukas Piccolin

Vereinslokal Utopia Bern, 2020
Koproduktion mit dem Schlachthaus Theater Bern

Die beteiligten Vereine:
NaturBernWest und Fasnachtsbigband Mutzopotamier zu Zukunft&Raum
lucify.ch und Boxen zur Bildung zu Zukunft&Macht
Zunftgesellschaft zum Affen und Berner Rassismus Stammtisch zu Zukunft&Zeit
hab queer bern und Bogenschützen Verein Bern zu Zukunft&Glück

Inputgeber*innen:
Sarah Schilliger, Peter Streckeisen, Michael Sander, Maja Zimmermann-Güpfert
Konzept, Vereinsabende:
Seraina Dür und Christin Glauser
Installation:
Chasper Bertschinger, Andreas Bertschi, Seraina Dür und Christin Glauser
Assistenz:
Giulia Merki
Performerin Vereinsabende:
Steff la Cheffe
Koch Vereinsabende:
Franz Lemann, Chef-Chef
Tonmontage:
Ueli Kappeler
Administration:
Lukas Piccolin

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